Get Closer

Get Closer

Besetzung

Henrik Freischlader – g, voc
Oliver Schmellenkamp – b
Dirk Sengotta – d

Weitere Musiker
Sascha Kühn – keys
Brenda Boykin – voc*

*Blues Music

Freischlader, die zweite. Das erste Album lief so gut, dass der Mann selbst und seine Band von dem Erfolg fast überrannt worden wären. Als ich get closer das erste Mal in meinen Händen hielt, überkroch mich ein Gefühl der Angst, der Druck, die Erwartungshaltung der frisch gewonnenen Fans könnte einen Kurzschluss, eine Panikproduktion ausgelöst haben. Und es dauerte eine Weile, bis die CD im Player landete. Dann eine Weile, bis der Groove, der Energiefluss der neuen Songs in mir aufging. 13 Stücke sind auf get closer, stilistisch ist Henrik Freischlader seiner Liebe zum Blues unverändert treu geblieben, er prägt mit den Songs wie mit Stempeln das Genre. Und ja, die Songs wirken. Sie gehen auf, gehen ein, fließen und strömen in die Blutbahn, haben Qualität und Energie, wirken nicht aufgesetzt, zeigen keine Panik, sondern die Urruhe des Blues selbst und zelebrieren eine Frische und Knackigkeit – frei von jeglichem Milligramm Pop und Zeitgeist – dass ich mich frage, wie es ein jeder tun sollte, woher der Mann und die Band diese Kraft und Lust, Intuition und Kreativität nur hernehmen, dass nach 11 grandiosen Songs auf the blues aus dem Jahr 2006 nur ein schmales Jahr später 13 weitere folgen.

Gut, der Überraschungseffekt ist weg, der Schlagzeuger des ersten Albums auch. Neben Henrik Freischlader, der den Songs seine nonchalante und matttiefe Stimme leiht und diese seltsam heiligen Gitarrensoli zaubert, steht Bassmann Oliver Schmellenkamp wie selbstverständlich zu ihm. Spielt funky, soulig, groovy und grummelig. Für the blues noch war Daniel Guthausen für den knochentrockenen Sound des Schlagzeuges verantwortlich. Der Mann hat sich ein neues Gesicht zugelegt, einen neuen Namen zudem. Er nennt sich Dirk Sengotta und rüpelt ebenso frisch und cool an Trommeln und Becken herum, ohne einen Ton zuviel zu nehmen, keine Überanstrengung zuzulassen und den Stücken nur diese Wenigkeit an Rhythmus zu überlassen, die gerade notwendig ist, dass der Raum brummt, in dem die CD aus den Boxen sprießt. Als Gäste sind Sascha Kühn an Tasten und Brenda Boykin als Sängerin (in Blues Music) aktiv geworden. Sascha Kühn hat die Stimmung der Band geatmet und sich perfekt ins Konzept gegossen. Keine Fülle, kein Großraum, keine Lautstärke sitzt in seinem Spiel, nur die zurückhaltende, wundersam kleidende Muße, die diesen Songs am wohlsten steht.
 Der Überraschungseffekt ist weg, Laszivität und stille Rasanz sind geblieben. Schön, dass er sich nicht reinquatschen lässt und den Ton so irden und überzeugend gibt, wie er es wohl nur in seiner geistigen Lieblingsheimat, dem Blues, kann. get closer ist wenig Rock, ganz Blues und, warum nur?, ständig geistert mir hinter Augen und Ohren so eine Idee von Jazz durch den Kopf, die ich zwischen den Noten sprießend auszumachen denke.
 Die Henrik Freischlader Band ist seit April bis Ende Juni in Deutschland auf Tournee. Tourdaten auf der Bandseite. Die Intensität dieser Musik will ich nur unbedingt empfehlen. Geht hin, schaut und hört es euch an. Danach liebt man jeden grauen Regentag einmal mehr.

Volker Mantei, Ragazzi Music