House in the Woods

Alben-Quad-09_HF-HITW Cover

Besetzung

Henrik Freischlader – g, voc

Moritz Fuhrhop – keys

Theofilos Fotiadis – b

Björn Krüger – d

Die Zeiten der opulenten Studiopuzzles sind erst einmal vorbei: Nachdem der Wuppertaler Bluesrock-Held auf Still Frame Replay (2011) die meisten und auf dem Vorgänger Recorded By Martin Meinschäfer (2009) im Selbstexperiment alle Instrumente eigenhändig eingespielt hat, praktiziert er auf seinem fünften Studio-Album eine gestandene Rolle rückwärts. Erstmals seit 2008 folgt seinem Namen auf dem CD-Cover wieder der Zusatz “Band” – und tatsächlich prangen die vier Buchstaben nicht bloß zur Zierde oder als Freundschaftsdienst auf dem Deckel. Denn ohne Bassist Theofilos Fotiadis, Hammond-Spezialist Moritz Fuhrhop und Schlagzeuger Björn Krüger, mit denen Freischlader seit der Tournee zu Still Frame Replay zusammenspielt und merklich auf einer Wellenlänge funkt, wäre House In The Woods kaum zu solch einem pulsierenden Spektakel geworden.

Für nur wenige Tage rief der Saitenkünstler seine Kollegen ins Studio, machte sie erst dort mit den Songs vertraut und spielte sie zügig mit ihnen ein —  live. Die Henrik Freischlader Band hat sich selbst und ihrer Musik so eine spritzige Unbedarftheit bewahrt und rigoros jeden Anflug von verkopftem Perfektionswahn aus ihrem Tun verbannt. Zusätzliche Rhythmus-Klampfen, verschnörkelt zierende Extraspuren der Gitarre oder nachträglich eingespielte Soli? Unnötiger Schnickschnack. House In The Woods klingt in seiner unverkünstelten Anmutung rauh und durchweg rockbetont und nähert sich längst nicht nur wegen des dominanten Live-Jam-Charakters und Freischladers herrlicher Solo-Ausbrüche immer wieder Gov’t Mule an. Soundlücken werden von Fuhrhop mit leidenschaftlich gurgelnden Orgel-Einschüben geschlossen – und ihm ist auch die bewegendste Minute Musik auf der Scheibe geschuldet: Sein zärtliches, sich in kontrollierte Ekstase hochschraubendes Hammond-Solo in ›Two Young Lovers‹ macht sprachlos.

Großes Kino. Zumal auch die natürliche Produktion reichhaltige Klangfacetten zulässt.

Daniel Böhm, ROCKS