Recorded by Martin Meinschäfer

Alben-Quad-04_HF-RBMM Cover

Besetzung

Henrik Freischlader – g, b, d, voc, keys, perc

Gitarre, Bass, Schlagzeug und Hammond, dazu die Vocal-Parts, all dies übernahm auf dieser in jeder Beziehung herausragenden Aufnahme Henrik Freischlader selbst. Natürlich stammen auch alle Stücke auf diesem Album aus seiner Feder. Da konnte er auch gleich selbst die Rolle als Produzent übernehmen. Blieb also nur der Platz am Mischpult unbesetzt, und dafür holte sich der deutsche Blues-Musiker einen wahren Feinspitz und Meister seiner Zunft: Martin Meinschäfer.

Folgerichtig heisst dieses Album auch schlicht Henrik Freischlader – Recorded by Martin Meinschäfer und es ist – soviel sei schon zu Beginn verraten – ein wahrer Ohrenschmaus. Und zwar nicht nur für eingefleischte Blues-Fans, sondern vielmehr für alle, die schlicht gute Musik genießen können. Zudem perfekt aufgenommen, abgemischt und gemastert und somit auf einem derart herausragenden Niveau, sodass vor allem auch audiophile Genießer absolut beglückt sein werden. Doch bevor wir in Anbetracht der wirklich wahren Gusto-Stücke, die bei dieser Produktion im Studio an Instrumenten, Mikrofonen und Tontechnik verwendet wurden, in allzu ausschweifende Euphorie und Begeisterung verfallen, sei nicht das Wesentliche vergessen, und zwar die Musik selbst.

Im konkreten Fall gilt unser Interesse aber nur einem Musiker, dem deutschen Henrik Freischlader, der, wie bereits erwähnt, sämtliche Stücke auf diesem Album selbst geschrieben und im Alleingang eingespielt hat. Würde es sich bei Freischlader um einen Singer/Songwriter handeln, der seine Werke allein mit Gitarrenbegleitung einspielt, wäre dies nichts besonderes. Henrik Freischlader aber spielt im wahrsten Sinne des Wortes „erdigen“ Blues, der auf diesem Album in voller Band-Besetzung zu hören ist. Der 1982 in Köln geborene Freischlader spielt somit nicht nur Gitarre, Bass, Schlagzeug und Hammond, über all das singt er noch die keineswegs in den Hintergrund rückenden oder gar nur als Füller dienenden, sondern vielmehr sehr präsenten und im Mittelpunkt stehenden Vokalparts selbst ein.

Auf Grund dieser Vielseitigkeit erstaunt es keineswegs, dass Henrik Freischlader Autodidakt ist, sich die Virtuosität auf all diesen Instrumenten also selbst angeeignet hat. Doch auch wenn es auf Grund dieser Produktion den Anschein erweckt, Freischlader ist in keinster Weise ein Einzelgänger. Über die letzten Jahre erarbeitete er sich seinen erstklassigen Ruf in der deutschen, aber zunehmend auch internationalen Blues-Szene durch zahllose Auftritte und einige Produktionen mit diversen Bands, aber unter anderem natürlich auch mit seiner eigenen Band, der – wie könnte es anders sein – Henrik Freischlader Band. Hier wäre vor allem das drei CDs umfassende Album-Set Henrik Freischlader Band Live als überaus empfehlenswerte Veröffentlichung zu nennen.

Mit diesem im Jahr 2009 produzierten und bei Cable Car Records erschienen Album wagte Henrik Freischlader aber ein überaus spannendes Projekt. Nicht nur, dass er – um dies nochmals zu betonen – alles selbst einspielte und noch dazu die Rolle des Produzenten übernahm, er wählte ganz bewusst mit Martin Meinschäfer einen Partner, der ihm half, seine ganz speziellen Vorstellungen umzusetzen. Randnotiz dazu im Booklet: „This album was played alone, but not made alone!“ So schreibt Freischlader als Danksagung an seinen Partner Martin Meinschäfer im Booklet zu dieser Produktion: „Es war mein Wunsch, dieses Album nach dem Mann zu benennen, der in der Lage war, den Klang jedes Instruments zum Leben zu erwecken. Dies war für mich das wichtigste. Der Titel drückt exakt das aus, worum es bei diesem Album ging. Es war eine herausragende Erfahrung, dieses Album mit dir aufzunehmen. Danke Martin!“ Also abgesehen vom bereits mehrmals erwähnten Können Freischladers ist es vor allem Martin Meinschäfer und nicht zuletzt dem ihm, in seinem Megaphone Studio zur Verfügung stehenden Equipment zu verdanken, dass dieses Album derart herausragend klingt.

Die beiden setzten nämlich vor allem auf geradezu altmodisches, in jedem Fall legendäres Studio-Equipment und kombinierten dieses mit den Möglichkeiten modernster digitaler Studio-Technik. Sieht man sich die Liste des eingesetzten Equipments an, so dürften Eingeweihte durchaus ins Schwärmen geraten. So standen am Beginn der Aufnahmekette nur feinste Mikrofone von renommierten Herstellern wie Neumann, AKG, Shure und Sennheiser, wobei Meinschäfer aber wann immer möglich aber auf Röhrengeräte aus den 50iger und 60iger Jahren setzte. Gleiches gilt für die eingesetzten Signal-Prozessoren wie Kompressoren oder Equalizer bis hin zum Mischpult. Auch hier zeigt die Liste der eingesetzten Komponenten einen hohen Anteil an klassischer Röhrentechnik, aber immer klug kombiniert mit nicht minder feiner Digitaltechnik.

Und auch Freischlader selbst verlässt sich bei seinen Instrumenten nahezu ausschließlich auf Klassiker, vor allem, wenn es um die Wahl der Gitarren geht. 1963 Fender Stratocaster, 1963 Gibson ES-345, 1969 Fender Telecaster, 1959 Gibson Les Paul RI Jäger Makeover, Fender Custom Shop Telecaster und so weiter und so fort… lassen das Herz jedes Gitarristen höher schlagen. Ebenso „prominent“ liest sich die Liste für die Bass-Takes des Albums. Selbstverständlich wird auch die Leistung der Amps nahezu ausschließlich mit Röhren produziert und beim Tasteninstrument konnte die Wahl nur auf eine original Hammond C3 mit passendem Leslie Cabinet fallen.

Bei aller Begeisterung über die eingesetzte „alte“ und neue Technik, unterm Strich bleibt aber immer noch die Faszination über ein wirklich erstklassiges Album, dass vor allem auch auf Grund der schieren Spielfreude, der Virtuosität des Künstlers und den wirklich erstklassigen Songs entsteht. Henrik Freischlader beweist mit diesem Album, dass „erdiger“ mitreissender Blues auch in Deutschland produziert werden kann und das man dies nicht erst im fortgeschrittenen Alter bewerkstelligen kann, sondern allein Enthusiasmus, viel Gefühl und Liebe für diese Musikrichtung ausreicht. Und davon hat Freischlader ganz offensichtlich jede Menge in sich.

Besonders hervorheben muss man in diesem Fall aber auch den Tontechniker Martin Meinschäfer, der von Henrik Freischlader vollkommen zu Recht mit der Nennung im Albumtitel geehrt wird. Denn er versteht es perfekt, sein handwerkliches Können und seine Erfahrung als Tontechniker ganz in den Dienst der Musik zu stellen und so gemeinsam mit dem Musiker nicht weniger als das bestmögliche Resultat zu erzielen, das nicht nur aus technischer Sicht perfekt ist, sondern auch musikalisch absolut überzeugen kann.

Dieses Album bietet auf fast 74 Minuten mit 13 Tracks Blues vom Feinsten und ist das perfekte Album für Genießer. Die Stücke bewegen sich von geradezu sanften, durchaus Mainstream-kompatiblen Balladen über klassischen Blues bis hin zu durchaus rockigeren Tönen und decken somit ein immens breites Spektrum ab. Gleichgültig, welche Stimmungslage also vorherrscht, auf diesem Album ist immer etwas passendes zu finden.

Viel schöner aber ist es, wenn man dieses Album im ganzen genießt. Lediglich unterbrochen von einer unvermeidbaren Zwangspause, wenn man die schwarze Vinyl-Scheibe umdrehen muss. Denn auch wenn wir der Vollständigkeit wegen natürlich nicht nur auf die entsprechende CD sondern auch auf die Download-Option dieses Albums hinweisen, unserer Empfehlung lautet ganz klar, dass man dieses Album als Schallplatte erwerben sollte. So bieten mit jpc.de als auch Amazon.de die führenden Online-Anbieter dieses Album selbstverständlich auch als 180 Gramm Vinyl und somit in der wohl besten Qualität an.

Zugegeben, auch die CD klingt exzellent und ist damit eine adäquate Option. Wer dieses Album jedoch als verstümmelte, da datenreduzierte und somit in der Qualität beschnittene Datei erwirbt, der hat es – mit Verlaub gesagt – gar nicht verdient, die volle Pracht dieser Aufnahme zu erleben…

Michael Holzinger, Sempre Audio