Show No. 47

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Besetzung

Henrik Freischlader – g, voc
Moritz Fuhrhop – keys
Theofilos Fotiadis – b
Björn Krüger – d

Doppel DVD Show No. 47

2 DVD-Set • Gesamtlänge: ca. 188 min • PAL • 16:9 • Color • Regionfrei • DVD-9
Konzert: ca. 148 min • PCM Stereo • DTS 5.1 Surround
DVD Bonus: ca. 38 min • PCM Stereo • Untertitel auf Englisch nur beim DVD-Bonus

DVD 1

The Blues
Still Frame Replay
Longer Days
The Bridge
I Loved Another Woman
Come On My Love
What‘s My Name
Bad Dreams_Wolkenwinde
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Gesamtspielzeit ca. 76 Min

DVD 2

I‘d Rather Go Blind
I‘ve Got It Good
Do Did Done
The Wrong Way
The Memory Of Our Love
Breakout
Crosstown Traffic
Foxy Lady
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Gesamtspielzeit  ca. 72 Min + 38 Min Bonusmaterial

Das komplette letzte Konzert der Still Frame Replay Tour, 2 Live-Sets + Bonus Tourfilm mit Interviews und Backstagebildern.

Bonus: Still Frame Impressions (Tourfilm)

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Mittwoch, 19. September 2012 – 15:17 Uhr, ein harter Arbeitstag hängt in den Knochen, meine müden Finger schaffen es gerade noch so, den Postkasten zu öffnen. Mit letzter Kraft fische ich einen weißen Umschlag aus dem selbigen, Adressat: Cable Car Records.
Und, als ob man mir eine heftige Vitaminspritze injiziert, ist plötzlich jeglicher Alltagsstress wie weggeblasen. Endlich! Darauf hat die ganze Welt gewartet! O.K., in meiner Euphorie klingt es vielleicht etwas überzogen, aber zumindest die weltweiten Blues Rock-Fans dürften sich nun entspannt zurücklehnen. Henrik Freischlader hat es mit “Show No. 47″ endlich geschafft, seiner großen Fangemeinde einen Konzertmitschnitt auf einer Doppel-DVD zu hinterlassen. Da werden sofort wieder all die Erinnerungen wach, als ich mich mit Conny im vergangenen Jahr entschloss ein paar Euro ans Bein zu binden, um für das Wochenende des 20./21. Mai 2011 einen Kurztrip nach Arnsberg-Neheim zu buchen. So wurden wir letztlich Zeitzeugen zweier grandioser Konzerte der Still Frame Replay-Tour 2011. Die “Show No. 47″ wurde im ‘Wohnzimmer’ vom Mischpultexperten Martin Meinschäfer aufgezeichnet. Ein Indiz dafür, dass Deutschlands Blues-Juwel nichts dem Zufall überlassen wollte. Ebenso die Tatsache, dass er an zwei Tagen, zuerst am 20. Mai die Show Nummer 46, und einen Tag später die “Show No. 47″ aufzeichnen ließ. Wie sich im Nachhinein herausstellt, eine absolut richtige Entscheidung.

Nach einer kurzen Begrüßung seiner Fans eröffnet die Band das Konzert mit The Blues. Für mich völlig nachvollziehbar, ist es doch sein erstes gleichnamiges Album und quasi der Anfang seiner bisher unaufhaltsam steil nach oben steigenden Karriere. Dabei zeigt der Protagonist in zahlreichen Kostproben seines ausgeprägten Gitarrenspiels, wie hoch der Hammer des Blues Rocks an diesem Abend hängen wird. Ich kann nur sagen, verdammt hoch! Bevor den Anwesenden “Still Frame Replay” um die Sinnesorgane gehauen wird, erläutert er seinem Publikum: »Liebes Kunstwerk, so nenn’ ich euch heute Abend. Ist es O.K.?«. Von den Fans gibt es für die Ansage keinen einzigen Widerspruch. Dafür bleibt auch kaum Zeit, denn der sich mit “The Blues” warm gespielte Schlagzeugspezi Björn Krüger schiebt mit unglaublich schlagstarken Taktvorgaben seine Vorderleute dermaßen voran, dass es für diese für die folgenden gut zweieinhalb Stunden kein zurück mehr gibt. Überhaupt wirkt die Band diesmal, im Gegensatz zum Vortag, völlig losgelöst, geradezu befreit, ignoriert am Abend des 21. Mai jede von den ca. sieben, acht Kameras, die versuchen jede Bewegung, jede Gestik, jedes spielerische Element, einzufangen, und spielt so auf, als ob es keine gibt.

Es ist nicht nur ein Saitenriss an Freischladers Fender Stratocaster älteren Jahrgangs, der bei mir für innere Jubelarien sorgt, es ist auch der softe und prima mitsingende Refrain »Huhu«. Ein Teil, das voll unter die Haut geht, genauso wie Peter Greens Klassiker “I Loved Another Woman”. Hier besticht der klare Klang seiner Gibson Les Paul. Bevor es mit “Come On My Love” weitergeht, jammt Henrik lustvoll auf einer weiteren feuerroten Gibson ES-345, um anschließend den Song kräftig anzuschieben. Etwas später ist es Tastenmeister Moritz Fuhrhop, der mit einer erstklassigen Soloeinlage zu überzeugen weiß. Die Stimmung unter den Anwesenden ist hervorragend und es wird fleißig mitgesungen. Nach “What’s My Name” folgt mein persönliches Highlight der ersten DVD: “Bad Dreams” (“Wolkenwinde”). Doch bevor es losgeht, erhält Frohnatur und ‘Dickesaitenzupfer’ Theofilos Fotiadis noch eine Hilfestellung für seine Basslinie in Form eines sehr aussagekräftigen Zettels. So aussagekräftig, dass er die Lacher des Publikums auf seiner Seite hat. So wie ich es schon unzählige Male live miterlebt habe, nimmt Henrik mittig des Songs enorm an Fahrt raus, brilliert mit einem hochwertigen soften Solo, um zum Ende das Teil mit Brachialgewalt nach Hause zu fahren. Sagenhaft! Man muss es sich einfach selbst gesehen haben! Erwähnt sei noch, dass er diesmal bzgl. “Wolkenwinde” alle Rekorde bricht und das Edelstück in unglaublichen 26:15 Minuten in allerbeste Szene setzt. Von mir gibt es hier eine fette Eins plus!

Die zweite DVD beginnt mit “I’D Rather Go Blind” von Etta James (1968) und “I’ve Got It Good” recht gemütlich, gönnt dem Konsumenten eine kleine Verschnaufpause, um mit “Do Did Done” den Kreislauf der Fans wieder gehörig anzukurbeln. Während sich die Fans ihre Hände zu “The Wrong Way” wundklatschen, hat Henrik, so wie bei seinem Gastspiel für die Monokel Blues Bandvor fast genau einem Jahr, am 27. Oktober 2011 im Berliner Kesselhaus vergessen, seine Telecaster mit Strom zu versorgen. Aber genau das sind die Szenen die ein Konzert erst ausmachen, die einem Gig die Würze verleihen, über die man sich später köstlich amüsieren kann. Ebenso die Tatsache, dass der meist in sich gekehrt wirkende Fuhrhop sich bei diesem Lied an einem Solo fast die Fingerkuppen abschmirgelt. Nun gibt die Band einen meiner Lieblingssongs, der je aus der Feder des Wuppertaler Ausnahmekünstlers entsprungen ist, “The Memory Of Our Love”, zum Besten. Tolle Nahaufnahmen spiegeln die schärfsten Gitarrenläufe wider, sein Sechssaiter erzeugt die wundervollsten Bluestöne, die er mit unnachahmlichen Gesten und schiefer Kopflage in beste Szenerie setzt, dazu sein fälschungssicherer Gesang der Extraklasse; Blues-Rocker-Herz was willst du mehr? Mein Herz, das eben einen Blues-Flash erlebt hat, sagt: mehr geht nicht.

Als Gitarrentechniker Mark Babilon Freischlader seine Telecaster reicht, kündigt er mit “Breakout” das Ende für die “Show No. 47″ an. Nein, so darf ein Gig der Combo auf keinen Fall enden! Doch zunächst spielt sich die Band bei “Breakout” in Trance und es scheint, als ob sich die vier Musiker nur noch über Telepathie und ihre Instrumente kommunizieren. Die Kapelle erntet erstmal den verdienten, frenetischen Applaus ihres Anhangs, die aber mit lautstarken Zugaberufen die vier zwingt, noch zwei Songs nachzulegen. So heißt es zum Schluss, Jimi Hendrix-Time. Mit “Crosstown Traffic”und “Foxy Lady” wird die Fangemeinde an den Rand des Wahnsinns gespielt.Henrik verlangt seiner aus den sechziger Jahren stammenden Stratocaster, sich selbst und seiner Band noch mal alles ab. Nach dem Finale sind alle, aber auch wirklich alle, die an diesem Wochenende in Meinschäfers Heim zu Gast waren, ob Bandmitglieder, Zuschauer, Kameramänner, Fotografen oder Meinschäfer selbst, ‘fix und foxi’.

Zusammenfassend habe ich eine Doppel-DVD gecheckt, von der ich nur ansatzweise ein paar Impressionen herausgepickt habe, die aber längst nicht alle Geschichten zu Tage bringt, die es zu erzählen gibt. Es sei denn, es ist eine Rezension in Buchformat gewünscht. Letztlich ist nichts, aber auch rein gar nichts zu bemängeln. Stattdessen gibt es einen überragenden Sänger und Edelgitarristen Henrik Freischlader zu bestaunen, der zusammen mit dem Bassisten und Strickmützenfreak Fotiadis, dem Lockenkopf und Pianoexperten Fuhrhop, sowie dem Energiebolzen am Drumset Krüger der Nachwelt ein Bild- und Tondokument der absoluten Spitzenklasse hinterlassen hat. Die Bildführung, ob in Total- oder in Nahaufnahmen, alles wurde perfekt eingefangen, ebenso wie die Tonqualität, für die sich, wie sollte es auch anders sein,Meinschäfer verantwortet. Und als ich denke, ich habe doch noch ein kleines Manko entdeckt, indem ich kein beigefügtes Booklet finde, schaue ich mir das Bonusmaterial an und stelle fest, dass das Spezial viel mehr hergibt, als es ein Booklet schaffen kann. Wenn es nichts zu meckern gibt, ich nur Positives zu berichten weiß, dann kann es nur einen Tipp geben. Ein Tipp deshalb, weil der anspruchsvolle Musikfreund sich nun die erste DVD aus dem Hause Freischlader zulegen kann, die an Qualität kaum zu überbieten ist. Apropos Tipp: Einen kleinen habe ich noch fürs Bonusmaterial; schaut Euch mal den Fuhrhop ganz genau an! Wenn nicht noch ein Wunder geschieht und aus dem Jenseits entweder Hendrix selbst oder vielleicht Gary Moore mir noch was Herausragendes zukommen lassen, dann ist “Show No. 47″ ein ganz heißer Kandidat für die Rubrik: DVD des Jahres 2012. Es handelt sich hierbei tatsächlich um ein Kunstwerk, genau wieHenrik Freischlader sein Publikum am Anfang des Gigs begrüßte.

Mike Kempf, RockTimes