Tour 2010 Live

Alben-Quad-05_HF-T2010L Cover

Besetzung

Henrik Freischlader – g, voc
Theofilos Fotiadis – b
Hardy Fischötter – d
Moritz Fuhrhop – keys

Was so simpel und schlicht Tour 2010 Live heißt, ist ein brandheißes und mordscooles Album, 14 Songs auf zwei CDs, knappe 3 bis epische 19 Minuten lange, energische Bluesrocksongs, modern und zeitlos und gleichzeitig von den Größen der Siebziger inspiriert. Henrik Freischlader hat sein Publikum zum Glühen gebracht, keine Frage mit diesem Album nachzuziehen und alle, die seine Gigs versäumt haben, nachträglich zum verblüfften Staunen zu bringen. 
Henrik Freischlader war schon immer gut, nicht allein sein 2006er The Blues ist ein erstklassiges Album, alle bisherigen 5 Produktionen sind großartig und empfehlenswert. Diese 2CD-Produktion setzt dem bisherigen Œuvre jedoch die Krone auf, was Theofilos Fotiadis (bass, back-vocals), Hardy Fischötter (drums), Moritz Fuhrhop (organ) und Henrik Freischlader (guitar, vocals) hier präsentieren, ist Energie pur. Die Songs rocken, sind lebhaft und lebensfroh, unglaublich dynamisch und groovig; rasante Soli gehen wie Feuerwerk ab, auch das von Hardy Fischötter am Schlagzeug, das 8 kurze Minuten lang beweist, das auch in der heutigen Zeit, nach den großen Rock-Acts der 1970er, immer noch Livealben, lange Songs und Schlagzeugsoli hinreißend sind und längst kein Ding von gestern oder davor.

Hin und wieder machen sich Einflüsse auf, etwa in Breakout, das nicht nur dezent an Lynyrd Skynyrd erinnert. Die 13 Minuten Foxy Lady machen klar, das auch der große Altmeister Jimi Hendrix alles anders als tot ist und auf Bühnen und in Herzen wie Köpfen lebt, die seinen Virus keinesfalls los werden wollen, sondern lieber das alltägliche Alltagsleben. 
Henrik Freischlader und Band sind eine geniale Crew. Nie arbeiten sie so extrem und wild, wie es Johnny Winter in seiner rasantesten Zeit machte, überhaupt liegen Gediegenheit und Eleganz in den Songs, die jede Energie zulassen, aber nicht die brutale Komplexität und jazzige Abgefahrenheit der alten Szene nachmachen. Wenn verflixte Komplexe und epische Elegien auch in jedem Song stattfinden, raffinierte Breaks und verrückt grandiose Gitarrensoli jeden Zuhörer aus der Realität reißen, so bleibt doch stets Songdienlichkeit und Nachvollziehbarkeit im Blick der Band. Das macht einen großen Teil ihres Reizes aus, sie holen die Virtuosität des alten Bluesrock in die moderne Zeit und zerlegen sie genüsslich nach eigenem Gestus in aktueller, moderner Spielart.

Doch irgendwann ist jeder Gedanke verloren, wenn in langen Improvisationen jeder Plan flöten geht und die wie in Trance versunkene Band ihre Suppe vulkanisch heiß kocht und das Publikum glücklich macht, das so glücklich noch nie zuvor war. 
Grandioses, erlesenes Livealbum! Vergesst darüber nicht, in seine Konzerte zu gehen, ganz nah dran in der Vibration der Boxen ist das Erlebnis gleichviel intensiver.

Volker Mantei, Ragazzi Music